Die Gedenkstätte Grafeneck ist die zentrale Erinnerungsstätte für die 10.654 Opfer der „Aktion T4“, dem zentralen Teil nationalsozialistischer „Euthanasie“-Verbrechen in Südwestdeutschland. Damit dient sie vielen tausend Menschen als Ort individueller und familiärer Trauer. Darüber hinaus versteht sich die Gedenkstätte Grafeneck als Forschungs- und Dokumentationsstätte, als Ort der historischen und politischen Bildung sowie als Auskunfts- und Informationsstätte.

Schwellenstein als Eingang der Gedenkstätte. Das Bild zeigt eine graue Steinplatte, welche im Boden eingelassen ist. In sie sind die Namen der Einrichtungen eingraviert, aus welchen die Opfer nach Grafeneck gebracht wurden.
Gedenkstättendetail: Mauer und Altar. Das Bild zeigt einen grauen Altarstein in welchen ein Kreuz eingraviert ist. Dahinter steht eine Steinmauer, durch die in der Mitte ein senkrechter Riss geht.
Eingang zum Friedhof und Bronzetafel 1985. Das Bild zeigt links einen Schotterweg, der zwischen zwei Mauern, hinter denen sich jeweils eine Hecke befindet, hindurch führt. Am Ende des Weges stehen zwei große Birken, an deren Fuß sich ein Grab befindet. Rechts im Bild steht eine Bronzetafel.

Veranstaltungen

Menschen versammeln sich zum Gedenkgottesdienst auf dem Friedhof in Grafeneck. Gezeigt wird eine große Menschenmenge, die mit dem Rücken zur Kamera steht. Alle Menschen tragen Winterkleidung. Im HIntergrund ist links ein großes steinernes Kreuz erkennbar. Rechts daneben stehen zwei große Birken. Dahinter befinden sich mit Schnee bedeckte Hügel.

Veranstaltungen 2021

Einweihung des Denkmals für die "Euthanasie"-Opfer aus dem Dreisamtal

Mehrere Menschen, Schülerinnen und Schüler, Lehrer und der Bischof stehen im Halbkreis. Sie schauen auf den Boden. Auf dem Boden ist eine Skulptur aus Stein.
 
Eine auf dem Boden liegende Steinskulptur. Man kann Kleidungsstücke in der Skulptur erkennen. Deutlich sichtbar sind Schuhe und ein Hut.
     
Die Erinnerungsstele für die "Euthanasie"-Opfer aus dem Dreisamtal. Eine ddunkle Steinstele mit weißer Schrift. Es stehen die Namen und Geburtsdaten der Opfer auf der Stele.
 
Mehrere Menschen, Schülerinnen und Schüler, Lehrer und der Bischof, stehen im Halbkreis. Links von der Gruppe ist eine Steinstele mit den Namen der Opfer. Auf dem Boden liegt eine Steinskulptur.

In Gedenken an NS-Opfer
Weihbischof segnet Mahnmal in Zarten / Ergebnis der Recherche von Schülern aus Stegen
Von Gerhard Lück (Badische Zeitung, 28.07.2021)

KIRCHZARTEN-ZARTEN. „Unsere Zivilgesellschaft braucht die Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte“, sagte der Freiburger Weihbischof Peter Birkhofer bei der Einweihung eines Mahnmals für Euthanasie-Opfer in Zarten. Und so sei er dankbar, dass sich junge Menschen aus der Geschichts-AG des Kollegs St. Sebastian in Stegen dem Thema Euthanasie der Nazi-Herrschaft im Dreisamtal angenommen haben. Bürgermeister Andreas Hall hatte mit seinen Dreisamtäler Bürgermeister-Kollegen zur Einweihung eingeladen. Dabei waren auch Schulleiter Bernhard Moser vom Kolleg und der Direktor der Schulstiftung, Dietfried Scherer, sowie zahlreiche Gäste, darunter Sponsoren. Hall sagte, die Schüler hätten „in beeindruckender Weise die Euthanasie-Morde in unserer Heimat aufgearbeitet und den Opfern des Dreisamtals mit einem Mahnmal einen Namen gegeben“. Der vom Stegener Künstler Daniel Rösch vorgelegte Mahnmal-Entwurf habe ihn sehr berührt. Den Weg von der ersten Auseinandersetzung in der Geschichts-AG bis zur jetzt erfolgten Mahnmal-Einweihung zeigten Lehrer Claudius Heitz und fünf der anwesenden sieben AG-Mitglieder eindrucksvoll auf. Für Heitz war die gemeinsame Arbeit „ein besonderer Moment als Lehrer“. Seit September 2018 habe sich die Gruppe „mit der in der Euthanasie greifbar gewordenen Menschenverachtung der Nazis“ befasst. Das Schicksal von Wilhelmine Hitz vom Schweizerhof in Zarten, die 1924 aus nicht zu ermittelnden Gründen – außer einem Alkoholproblem war nichts bekannt – in die Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen eingewiesen wurde und 1940 in der „NSDAP-Tötungsanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb vergast wurde, motivierte die Schüler, intensiver nach weiteren Euthanasie-Opfern im Dreisamtal zu forschen. Franz Asal, Vorsitzender des Fördervereins der St. Johanneskapelle, unterstützte sie dabei intensiv. „Wir machten uns dann auf weitere Spurensuche von Hitlers vergessenen Opfern“, sagte Heitz. Fündig geworden seien sie in verschiedenen Archiven. Sie hätten die Gedenkstätte in Grafeneck besucht und seien überrascht gewesen, „dass es keinen offiziellen Gedenktag für Euthanasie-Opfer gibt“. Die Schüler Jakob Seidel, Sidonie Hahlbrock, Adelheid Prinz, Paul Lieb und Simon Buchgeister entlarvten die Nazi-Sprache, die den Begriff Euthanasie im griechischen Ursprung mit „guter Tod“ verwendete. Die Schüler informierten darüber, dass allein aus Emmendingen 1.127 Patienten nach Grafeneck und später nach Hadamar in den „berühmten grauen Bussen“ in die Gaskammern transportiert worden seien. In Grafeneck seien in einem Jahr bis zu 100 Mitarbeitende an der Tötung von 10.654 Menschen beteiligt gewesen. Beeindruckend erzählten die fünf von Flora Meder aus Kirchzarten, die mit dem damaligen Sparkassen-Vorstand verheiratet und durch ungewöhnliche Frömmigkeit aufgefallen war. Sie wurde 1929 in Emmendingen eingewiesen. Weiter erzählten die Schüler von Wilhelm Scherer aus Eschbach, der nach einer Brandstiftung als geistig gestört eingestuft nach Emmendingen kam. Insgesamt 15 Euthanasie-Opfer aus dem Dreisamtal spürten die AG-Mitglieder auf. Doch sie konnten auch von Geretteten berichten, die dank großer Zivilcourage von Bürgern überlebt hatten. Claudius Heitz berichtete von der schwierigen Recherche: „Wir fanden die Namen oft in Listen anderer Tötungsstätten der Nazis mit gefälschten Todesdaten wieder.“ Während der Auseinandersetzung mit diesen dunklen Taten deutscher Geschichte sei der Wunsch bei den Schülern gewachsen, zum Gedenken an die Opfer ein Denkmal zu errichten. Beim Stegener Bildhauer Daniel Rösch trafen sie gleich auf offene Ohren, da sich der Künstler auch inhaltlich mit seinem Auftrag identifiziert. Er sei sehr berührt, betonte er bei der Vorstellung, dass junge Menschen ein Mahnmal forderten, mit dem der Euthanasie-Opfer nach 80 Jahren erstmals namentlich gedacht werde. Und man müsse sich heute beim Thema Pränatal-Diagnostik fragen, „ist sie und die sind die daraus resultierenden Abtreibungspraktiken auf diesem nationalsozialistischen Nährboden eines makellosen Menschenbildes befördert worden?“ Rösch dankte allen, den Kommunen, der Erzdiözese Freiburg und vielen Spendern, dass sie das Denkmal finanziell möglich machten: „Das ist ein Bekenntnis zum Mahnmal und zur Jugend!“ Stele mit den Namen von 15 Euthanasie-Opfern Inspiriert habe ihn die zurückgelassene Kleidung der Opfer in Grafeneck, die sich gleich nach ihrer Ankunft vollständig entkleiden mussten und dann in die Gaskammern geführt wurden. Er sei, so erzählte Rösch, auf Dreisamtäler Bauernhöfen bei der Suche nach Kleidungsstücken der damaligen Zeit fündig geworden: Anzüge, Jacken, Kleider, Schuhe, Brillen, Trachtenhut, Strickjacke mit Messingknöpfen. Alles habe er in Holzleim getränkt und fixiert. Nach den Spendenzusagen habe er einen Steinblock gekauft und nach kurzer Fräsvorarbeit in 750 Arbeitsstunden mit seinen Mitarbeitern das Modell in Stein gehauen. Auf einer Stele habe er alle 15 Namen der Dreisamtäler Euthanasie-Opfer eingraviert. Weihbischof Peter Birkhofer erzählte von einem geistig behinderten Cousin: „Diese Begegnung mit einem wertvollen Leben hat sich bei mir eingeprägt.“ Deshalb sei es wichtig, dass sich junge Menschen mit der Geschichte auseinandersetzen: „Wir brauchen Menschen, die uns daran erinnern, dass Leben wertvoll ist.“ Er rief dazu auf: „Schaut tiefer hin! Bleibt nicht beim Mahnmal stehen. Ehren wir das Andenken, aber werden wir immer aktiv, wenn andere ausgegrenzt werden.“ Schulleiter Moser dankte der Geschichts-AG und ihrem Lehrer: „Als Schulleiter bin ich unglaublich stolz auf eure Arbeit.“ Im Garten der St. Johannes-Kapelle wurde dann das Denkmal mit Stele enthüllt und vom Weihbischof gesegnet. Die Feierstunde begleitete eine Musikgruppe des Kollegs eindrücklich und mit feinem Gespür für die ernste Atmosphäre.
 
Nach der Enthüllung kam Weihbischof Peter Birkhofer mit den Schülern ins Gespräch
Eine Stele gibt den 15 Euthanasie-Opfern aus dem Dreisamtal einen Namen.
Fotos: Gerhard Lück

Aufführung des Straßentheaterprojekts „Hierbleiben… Spuren nach Grafeneck“ des Reutlinger Theater in der Tonne e.V. am Dienstag, 27. Juli 2021

Das ist das Plakat des Theaterprojekts. Es ist ein Opfer von Grafeneck in schwarz -weiß abgebildet. Das Foto ist auf einem Keks abgebildet.

Am 27. Juli 2021 führte die Theatergruppe Die Tonne aus Reutlingen das Straßentheaterprojekt "Hierbleiben... Spuren nach Grafeneck" in Grafeneck auf.
Eindrücke, Berichte und Bilder der Aufführung finden Sie auf der Projektseite: http://www.spuren-nach-grafeneck.de

Foto der Aufführung. Die Schauspielerinnen und Schauspieler stehen in einer Gruppe vor dem Schloss. Sie tragen rote Overalls und schwarze Kappen. Sie halten die Hände an den Kopf
 
Ein Schauspieler ist als Arzt gekleidet. Er trägt einen Zylinder. Der Mann zeigt einem Zuschauer ein Bild.
     
Im Hintergrund ist das Schloss Grafeneck. Im Vordergrund sind Zuschauerinnen und Zuschauer. Sie schauen sich das Theaterstück an.
 
Die Schauspielerinnen und Schauspieler stehen in einer Reihe vor schwarzen Käfigen. Sie tragen rote Overalls und schwarze Kappen. Alle heben die Hand zur Zeigen nach links.

Bildnachweis: Theater Reutlingen Die Tonne

Web-Talk "Warum Täterforschung"

Am 14. Juli 2021 findet um 19. Uhr der  Web-Talk zum Thema „Warum Täterforschung“ statt, der gemeinsam vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg, der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V. und der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg veranstaltet wird.
 
Die Online-Podiumsdiskussion widmet sich u. a. den Fragen, warum es wichtig ist, sich kritisch mit den Biografien von NS-Täter*innen und ihren persönlichen Motiven auseinanderzusetzen, welche Herausforderungen damit verbunden sind und wie Täterforschung in der historisch-politischen Bildungsarbeit genutzt werden kann.
 
Es diskutieren Prof. Dr. Cornelia Rauh (Professorin für deutsche und europäische Zeitgeschichte an der Universität Hannover), Dr. Wolfgang Proske (Herausgeber und Mitautor der Buchreihe „Täter – Helfer – Trittbrettfahrer“) und Thomas Stöckle (Leiter der Gedenkstätte Grafeneck). Moderiert wird die Veranstaltung vom SWR-Redakteur Mark Kleber. Über Kommentare und Fragen können sich die Zuschauer*innen in die Diskussion einbringen.
 
Die Zugangsdaten zur Veranstaltung erhalten Sie nach Anmeldung beim „Hotel Silber“-Besucherdienst unter der E-Mail-Adresseveranstaltungen-hs@hdgbw.de. Weitere Infos unter https://www.geschichtsort-hotel-silber.de/#veranstaltungen.

Eröffnung der Wanderausstellung im Landeskriminalamt Baden-Württemberg

Eingangsschild des Landeskriminalamt Baden-Württemberg in Stuttgart.
Eingangsbereich des Landeskriminalamt in Stuttgart. Der Raum ist gelb, schwarz, weiß. An den Wänden steht die Wanderausstellung.
Die Wanderausstellung von Grafeneck im Landeskriminalamt in Stuttgart. Vor einer gelben Wand stehen 5 Ausstellungstafeln. Auf einer Tafel ist ein Opfer abgebildet. Zwei Tafeln zeigen ein großes Bild von Schloss Grafeneck.
Links im Bild stehen mehrere Tonfiguren auf einem Holzsockel. Im Hintergrund ist verschwommen Schloss Grafeneck.

Gestern am 30.03.2021 wurde unsere Wanderausstellung im LKA in Stuttgart eröffnet.Anlass war die Präsentation von 11 Terrakotta-Figuren, symbolisch für die beinahe 11.000 Opfer von Grafeneck, des Künstlers Jochen Meyder im Foyer des LKA, die dort als dauerhafte Installation verbleiben. Die Ausstellung wurde von Herrn Ralf Michelfelder, Präsident des LKA, eröffnet. Jochen Meyder und Thomas Stöckle führten hierbei in Kunstwerk und Geschichte von Grafeneck ein.

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