Die Gedenkstätte Grafeneck ist die zentrale Erinnerungsstätte für die 10.654 Opfer der „Aktion T4“, dem zentralen Teil nationalsozialistischer „Euthanasie“-Verbrechen in Südwestdeutschland. Damit dient sie vielen tausend Menschen als Ort individueller und familiärer Trauer. Darüber hinaus versteht sich die Gedenkstätte Grafeneck als Forschungs- und Dokumentationsstätte, als Ort der historischen und politischen Bildung sowie als Auskunfts- und Informationsstätte.

Schwellenstein als Eingang der Gedenkstätte. Das Bild zeigt eine graue Steinplatte, welche im Boden eingelassen ist. In sie sind die Namen der Einrichtungen eingraviert, aus welchen die Opfer nach Grafeneck gebracht wurden.
Gedenkstättendetail: Mauer und Altar. Das Bild zeigt einen grauen Altarstein in welchen ein Kreuz eingraviert ist. Dahinter steht eine Steinmauer, durch die in der Mitte ein senkrechter Riss geht.
Eingang zum Friedhof und Bronzetafel 1985. Das Bild zeigt links einen Schotterweg, der zwischen zwei Mauern, hinter denen sich jeweils eine Hecke befindet, hindurch führt. Am Ende des Weges stehen zwei große Birken, an deren Fuß sich ein Grab befindet. Rechts im Bild steht eine Bronzetafel.

Veranstaltungen

Menschen versammeln sich zum Gedenkgottesdienst auf dem Friedhof in Grafeneck. Gezeigt wird eine große Menschenmenge, die mit dem Rücken zur Kamera steht. Alle Menschen tragen Winterkleidung. Im HIntergrund ist links ein großes steinernes Kreuz erkennbar. Rechts daneben stehen zwei große Birken. Dahinter befinden sich mit Schnee bedeckte Hügel.

Veranstaltungen 2021

Aufführung des Straßentheaterprojekts „Hierbleiben… Spuren nach Grafeneck“ des Reutlinger Theater in der Tonne e.V. am Dienstag, 27. Juli 2021 ab 11 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,anlässlich der Aufführung des Straßentheaterprojekts „Hierbleiben… Spuren nach Grafeneck“ des Reutlinger Theater in der Tonne e.V. am Dienstag, 27. Juli 2021 ab 11 Uhr vor Schloss Grafeneck laden wir Sie herzlich ein.Unter dem Titel „Hierbleiben… Spuren nach Grafeneck“ nimmt sich das Projekt die „Euthanasie“-Verbrechen im Jahr 1940 zum Anlass. Durch die Begegnung mit den Darsteller*innen mit Behinderung im öffentlichen Raum wird auch ihre heutige Situation aufgezeigt.Die berüchtigten „Grauen Busse“ deportierten im Jahr 1940 10.654 Menschen mit Beeinträchtigung aus dem heutigen Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen aus insgesamt 49 Orten nach Grafeneck, die dort am Tag der Ankunft mithilfe des Gases Kohlenmonoxyd ermordet wurden. Diese Menschen, die eine Zeit ihres Lebens in einer Einrichtung untergebracht waren, wurden ermordet, weil Sie den Nationalsozialisten als „lebensunwert“ galten, da zu ihrer Unterbringung – so das nationalsozialistische menschenverachtende Kalkül – mehr aufgewendet werden müsse, als diese einbrächten.In Anspielung an die "Grauen Busse", die damals zur Deportation dienten, wurden 25 Herkunftsorte der Menschen mit Einschränkungen in Baden-Württemberg für das Straßentheaterprojekt ausgewählt. Der Theaterbus fährt mit dem inklusiven Ensemble, Requisiten, Bühnenbild, Kunstobjekten, etc. direkt vor Ort, um die performative Aufführung umzusetzen. Unter der Regie von Theaterintendant Enrico Urbanek wird das Projekt vom Theater Reutlingen Die Tonne umgesetzt.Zusammenarbeit verschiedener Künstler*- und Akteur*innenBei diesem Projekt verbindet sich Choreografie, Musik, bildender Kunst, Medienkunst und dokumentarischen Elementen. Über eine facettenreiche Auseinandersetzung zwischen Ensemble und Publikum werden Denkanstöße gegeben, die weit über Betroffenheit einerseits und Information andererseits hinausgehen. Durch den Einsatz historischer Fakten in Zusammenarbeit mit dem Dokumentationszentrum Gedenkstätte Grafeneck, lokalen Archiven und Forscher*innen wird bei den Aufführungen jeweils ein direkter regionaler und gesellschaftlicher Bezug hergestellt. Die Aufführung in Grafeneck als Ort der „Euthanasie“-Verbrechen ist daher besonders bedeutend für das Projekt, das sich auf der Spurensuche deportierter und ermordeter Menschen befindet. Hier entstanden die ersten Ideen und bei einem Besuch der Gedenkstätte wurde schließlich das Projekt im Ensemble beschlossen.Der Bus verweilt eineinhalb Stunden vor Schloss Grafeneck und bietet verschiedene Begegnungen mit dem Ensemble. Die Interaktionen mit dem Publikum können Aufgrund der Corona-Pandemie nur unter gebührendem Abstand stattfinden.Um die nötigen Abstände zwischen den Zuschauer*innen während der Corona-Pandemie einzuhalten, wird vor Schloss Grafeneck eine Theatersituation aufgebaut, sodass Sitzplätze in einem abgesperrten Bereich vor der Bühnenfläche vorhanden sind. Der Eintritt ist frei, jederzeit kann man noch dazu stoßen und wieder weiterziehen.Premiere in Mosbach im Herbst 2020Ursprünglich war die Premiere für den 8. Mai 2020 in Reutlingen im Rahmen des Festivals Kultur vom Rande geplant. Durch Corona konnte die Premiere des Projekts erst am 17. September 2020 in Mosbach stattfinden. Im Herbst folgte die Tournee durch sechs weitere Orte, darunter Ottersweier-Hub, Schwäbisch Hall, Reutlingen und abschließend Ellwangen. Regionale und überregionale Medien, unter anderem der SWR, berichteten ausführlich über die Aufführungen des Straßentheaterprojekts.Für den 18. Oktober 2020 war als Abschluss vor der Winterpause eine Aufführung im Rahmen des jährlich in Grafeneck stattfindenden Gedenkgottesdienstes geplant. Die Veranstaltung konnte aufgrund der Pandemie leider nicht stattfinden. Am 27. Juli soll 2021 die Theateraufführung nun nachgeholt werden. Über 1.400 Zuschauer*innen verfolgten die bisher 14 gespielten AufführungenSeit Mitte Juni 2021 erlauben die gesunkenen Coronafallzahlen nun wieder Kulturveranstaltungen, wie auch das Straßentheaterprojekt des Reutlinger Theatervereins. Die Aufführungen wurden, wie eingangs erwähnt, in den von Deportationen betroffenen Orten gespielt. Im Juni 2020 gastierte das Projekt unter anderem in Gammertingen-Mariaberg, Sigmaringen und Gengenbach.Die inzwischen 14 gespielten Aufführungen stießen auf großes Interesse bei der Bevölkerung. In Gesprächen berichteten die Zuschauer*innen, darunter auch mehrere Schulklassen, von einem beeindruckenden und bewegenden Theatererlebnis. Insgesamt verfolgten mehr als 1.400 Zuschauer*innen das auf öffentlichen Plätzen aufgeführte Projekt.Die Inszenierung in Gomadingen-Grafeneck bildet den Abschluss vor den Sommer- und Theaterferien, das sich besonders auch an Schüler*innen richtet. Ab Mitte September sollen bis Mitte Oktober 2021 weitere Termine folgen und das Projekt abgeschlossen werden.Jahrelange Erfahrung des Theater Reutlingen in der inklusiven TheaterarbeitDas seit 60 Jahren bestehende Theater Reutlingen Die Tonne hat bereits seit vielen Jahren Erfahrungen mit der inklusiven Theaterarbeit und präsentiert die entwickelten Inszenierungen regelmäßig auf Festivals im deutschsprachigen Raum. Seit 2012 gibt es am Theater Reutlingen Die Tonne eine von den örtlichen Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen mitgetragene Initiative, bei der Menschen mit Beeinträchtigungen einen Teil ihrer Arbeitszeit am Theater absolvieren und dort eine künstlerische Ausbildung erhalten.Das Projekt wird gefördert durch die LEADER-Förderung (ein von der EU eingerichtetes Förderprogramm für die Entwicklung ländlicher Räume) und von der „Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb“ im Rahmen von „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes, den Landkreis Reutlingen sowie durch Daimler Truck.Kooperationspartner sind BAFF [Träger Lebenshilfe und BruderhausDiakonie], die Fakultät für Sonderpädagogik der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, die BruderhausDiakonie-Werkstätten Reutlingen sowie die Habila GmbH Rappertshofen Reutlingen.Weitere Informationen, Fotos sowie Aufführungstermine finden Sie unter https://spuren-nach-grafeneck.de.Bildnachweis Fotos Aufführungen und Proben: Theater Reutlingen Die TonneTrailer der Aufführung bei YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=m5v63Kwlw5MFacebook-Kanal des Theater Reutlingen: https://de-de.facebook.com/theaterreutlingendietonne/Instagram-Seite des Theater Reutlingen: https://www.instagram.com/theaterreutlingendietonne/Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.Mit freundlichen GrüßenMaximilian Tremmel-- Maximilian Tremmel Reutlinger Theater in der Tonne e.V. / Theater Reutlingen Die Tonne Projektleitung »Hierbleiben...Spuren nach Grafeneck« Tel.: 07121/9377-17 tremmel@theater-reutlingen.de, tremmel@tonne-theaterverein.de https://spuren-nach-grafeneck.de Liefer- & Besucher*innen-Adresse: Theater Reutlingen Die Tonne Vorverkauf/Bühneneingang Jahnstraße 6 72762 Reutlingen Adresse des Theatervereins: Reutlinger Theater in der Tonne e.V. Theaterprojekt »Hierbleiben...Spuren nach Grafeneck« Sankt-Leonhard-Straße 33 72764 Reutlingen

Web-Talk "Warum Täterforschung"

Am 14. Juli 2021 findet um 19. Uhr der  Web-Talk zum Thema „Warum Täterforschung“ statt, der gemeinsam vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg, der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V. und der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg veranstaltet wird.
 
Die Online-Podiumsdiskussion widmet sich u. a. den Fragen, warum es wichtig ist, sich kritisch mit den Biografien von NS-Täter*innen und ihren persönlichen Motiven auseinanderzusetzen, welche Herausforderungen damit verbunden sind und wie Täterforschung in der historisch-politischen Bildungsarbeit genutzt werden kann.
 
Es diskutieren Prof. Dr. Cornelia Rauh (Professorin für deutsche und europäische Zeitgeschichte an der Universität Hannover), Dr. Wolfgang Proske (Herausgeber und Mitautor der Buchreihe „Täter – Helfer – Trittbrettfahrer“) und Thomas Stöckle (Leiter der Gedenkstätte Grafeneck). Moderiert wird die Veranstaltung vom SWR-Redakteur Mark Kleber. Über Kommentare und Fragen können sich die Zuschauer*innen in die Diskussion einbringen.
 
Die Zugangsdaten zur Veranstaltung erhalten Sie nach Anmeldung beim „Hotel Silber“-Besucherdienst unter der E-Mail-Adresseveranstaltungen-hs@hdgbw.de. Weitere Infos unter https://www.geschichtsort-hotel-silber.de/#veranstaltungen.

Eröffnung der Wanderausstellung im Landeskriminalamt Baden-Württemberg

Gestern am 30.03.2021 wurde unsere Wanderausstellung im LKA in Stuttgart eröffnet.Anlass war die Präsentation von 11 Terrakotta-Figuren, symbolisch für die beinahe 11.000 Opfer von Grafeneck, des Künstlers Jochen Meyder im Foyer des LKA, die dort als dauerhafte Installation verbleiben. Die Ausstellung wurde von Herrn Ralf Michelfelder, Präsident des LKA, eröffnet. Jochen Meyder und Thomas Stöckle führten hierbei in Kunstwerk und Geschichte von Grafeneck ein.

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