Die Gedenkstätte Grafeneck ist die zentrale Erinnerungsstätte für die 10.654 Opfer der „Aktion T4“, dem zentralen Teil nationalsozialistischer „Euthanasie“-Verbrechen in Südwestdeutschland. Damit dient sie vielen tausend Menschen als Ort individueller und familiärer Trauer. Darüber hinaus versteht sich die Gedenkstätte Grafeneck als Forschungs- und Dokumentationsstätte, als Ort der historischen und politischen Bildung sowie als Auskunfts- und Informationsstätte.

Schwellenstein als Eingang der Gedenkstätte. Das Bild zeigt eine graue Steinplatte, welche im Boden eingelassen ist. In sie sind die Namen der Einrichtungen eingraviert, aus welchen die Opfer nach Grafeneck gebracht wurden.
Gedenkstättendetail: Mauer und Altar. Das Bild zeigt einen grauen Altarstein in welchen ein Kreuz eingraviert ist. Dahinter steht eine Steinmauer, durch die in der Mitte ein senkrechter Riss geht.
Eingang zum Friedhof und Bronzetafel 1985. Das Bild zeigt links einen Schotterweg, der zwischen zwei Mauern, hinter denen sich jeweils eine Hecke befindet, hindurch führt. Am Ende des Weges stehen zwei große Birken, an deren Fuß sich ein Grab befindet. Rechts im Bild steht eine Bronzetafel.

Kunstprojekt Grafeneck 10.654

Gedenken. Mahnung. Hoffnung von Jochen Meyder

Die Idee

Mit 10.654 einzeln modellierten Terracotta-Figuren möchte Jochen Meyder an die 10.654 Menschen erinnern, die 1940 in Grafeneck ermordet wurden.

Die Geschichte

In Grafeneck, Württemberg, wurden vom 18. Januar bis zum 13. Dezember 1940 10.654 Menschen in einer auf dem Schlossgelände eingerichteten Gaskammer systematisch ermordet. Geistig behinderte oder psychisch erkrankte Kinder, Frauen und Männer aus Heil- und Pflegeeinrichtungen Süddeutschlands wurden im Rahmen der "Aktion T4" in Bussen nach Grafeneck gefahren und dort umgebracht. Fast 11.000 Menschen in 11 Monaten - eine große Zahl, ein ungeheures Verbrechen. 

Das Projekt

Um die Zahl der Opfer begreifbar zu machen, liegen 10.654 Terrakotta-Figuren vor einer Glaswand im Dokumentationszentrum in einer regalähnlichen Konstruktion, jede Statuette hat ihr individuelles Gesicht. Die Installation verdunkelt den Raum und versperrt den Blick ins Freie. Das Bedrückende des Geschehens kann sich den Besuchern vermitteln. 

Die Statuetten liegen lose im Metallregal. Besucher, die eine Figur in die Hand nehmen, lösen ein opfer-Schicksal aus der Masse der Ermordeten heraus. Durch das Begreifen erfahren sie ein Gegenüber und können sich ansprechen lassen. Vielleicht können sie sich in das Schicksal eines Opfers einfühlen. 

Zur Erinnerung an das Geschehene und zur Mahnung können Besucher eine Figur mit nach Hause nehmen. Sie geben damit einem Opfer wieder einen Ort und eine Stimme. Es wäre schön, wenn dadurch eine Art Patenschaft entstünde. Der Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen könnte so entgegen getreten werden. Wenn sich die Figuren in der Welt verbreiten und an vielen Orten als Botschafter für ein friedliches Zusammenleben der Menschen werben, dann verbreitet sich die Idee des Projekts. Gleichzeitig löst sich die Installation auf, es wird heller und der Blick wird wieder frei. 


Die Figuren Tragen ihre Botschaft in die Welt - Licht kehrt zurück in den Raum. 

Wer spenden möchte:

Die Spenden gehen zu 100% in die Arbeit der Gedenkstätte, sollen aber auch helfen aus dem sanierungsbedürftigen Schloss einen Ort zu schaffen, an dem integratives, inklusives Arbeiten und ein kreatives Miteinander möglich wird. 


Förderverein zum Betrieb des Dokumentationsentrum Grafeneck
IBAN: DE18 6405 0000 0100 1264 75
BIC: SOLADES1REU
KSK Reutlingen

Text und Bilder: Jochen Meyder, Dezember 2018
jochenmeyder.wordpress.com
jochenmeyder@web.de