Die Gedenkstätte Grafeneck ist die zentrale Erinnerungsstätte für die 10.654 Opfer der „Aktion T4“, dem zentralen Teil nationalsozialistischer „Euthanasie“-Verbrechen in Südwestdeutschland. Damit dient sie vielen tausend Menschen als Ort individueller und familiärer Trauer. Darüber hinaus versteht sich die Gedenkstätte Grafeneck als Forschungs- und Dokumentationsstätte, als Ort der historischen und politischen Bildung sowie als Auskunfts- und Informationsstätte.

Schwellenstein als Eingang der Gedenkstätte. Das Bild zeigt eine graue Steinplatte, welche im Boden eingelassen ist. In sie sind die Namen der Einrichtungen eingraviert, aus welchen die Opfer nach Grafeneck gebracht wurden.
Gedenkstättendetail: Mauer und Altar. Das Bild zeigt einen grauen Altarstein in welchen ein Kreuz eingraviert ist. Dahinter steht eine Steinmauer, durch die in der Mitte ein senkrechter Riss geht.
Eingang zum Friedhof und Bronzetafel 1985. Das Bild zeigt links einen Schotterweg, der zwischen zwei Mauern, hinter denen sich jeweils eine Hecke befindet, hindurch führt. Am Ende des Weges stehen zwei große Birken, an deren Fuß sich ein Grab befindet. Rechts im Bild steht eine Bronzetafel.

Gedenkstätte

Offene Kapelle der Gedenkstätte Grafeneck. Das Bild zeigt eine Dachkonstruktion, die von fünf Stahlträgern abgestützt wird. Unter ihr befindet sich ein grauer Altarstein, der vor einer Mauer steht. Durch die Mauer geht in der Mitte ein senkrechter Riss. Die gesamte Konstruktion ist von Bäumen umgeben. Das Bild ist im Abendlicht aufgenommen.

„Das Gedenken braucht einen Ort“

Mit diesem Leitgedanken entstand 1990 die Gedenkstätte Grafeneck.

Sie ist heute die zentrale Erinnerungs- und Mahnstätte für die 10.654 Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie”-Verbrechen in Südwestdeutschland und damit für viele tausende Menschen ein Ort individueller Trauer und kollektiven Gedenkens.
Die offene Kapelle wurde nach den Plänen des Nürtinger Architekten Professor Weinbrenner erbaut. Bauträger war die Samariterstiftung. Die künstlerische Gestaltung der Gedenkstätte übernahm der Bildhauer Rudolf Kurz aus Stimpfach.
Während eines internationalen Aufbaulagers im Sommer 1989 haben junge Menschen eine Natursteinmauer errichtet. Sie führt zur Gedenkstätte hin. Ein Riss in der Rückwand der offenen Kapelle drückt den Schmerz über den in Grafeneck begangenen Zivilisationsbruch aus.
Davor befindet sich ein Altar aus blauem Granit. An seinem Sockel sind verkrampfte, suchende und stützende Hände angedeutet. In den Altar ist ein schlichtes Kreuz eingemeißelt.
Die stählernen Träger des Daches der Kapelle erinnern an die Dornenkrone Jesu Christi. Das Dach selbst bildet ein Fünfeck, das das 5. Gebot "Du sollst nicht töten" anmahnt.

Eine in die Erde eingelassene steinerne Schwelle am Zugang zur Gedenkstätte nennt die Namen der über vierzig Kliniken und Heime, aus denen die Opfer zur Ermordung nach Grafeneck gebracht wurden.
Von der Gedenkstätte aus geht der Blick auf die Wiese, auf der sich 1940 das Tötungsareal befand.

Zur Erinnerungstopografie (1,033 MiB) der Gedenkstätte Grafeneck gehören heute:

- die Gedenkstätte als offene Kapelle
- das Gedenk-/Namensbuch und der Alphabet-Garten
- der Friedhof mit dem frühen Gedenkort von 1962
- das Schlossgebäude als Sitz der Täter
- der Standort der nicht mehr erhaltenen Vernichtungsgebäude
- das Dokumentationszentrum